Viele Bausteine ohne Drehbuch

Die Energiewende setzt in der Elektrizitätsversorgung eine Vielzahl von Maßnahmen voraus, die voneinander abhängig sind (Anmerkung: Der Bereich „Neue Technologien zur Energiespeicherung“ ist hier nicht aufgeführt):

Offshore-Windparks zur Stromerzeugung

Verlegung von Seekabeln für den Transport an die Küste

Leitungen für den Stromtransport nach Süddeutschland

Wind- und
Sonnenenergie als Ersatz für Kernenergie und Kohlestrom

Kohle- und
Gaskraftwerke als Backup-Kapazität

Gebäudesanierung zur Verringerung des Energieverbrauchs

Die Einzelbereiche erfordern gewaltige Investitionen, die von privaten Investoren  durchgeführt werden sollen. Die Politik hat hierzu keine übergreifende Umsetzungsplanung vorgelegt, durch die die Investitionen in Bezug auf die Zeit der Durchführung und der Größenordnung der Kapazitäten harmonisch abgestimmt werden. Das führt zu einer Verunsicherung der Investoren und zu den damit verbundenen Kostensteigerungen. Entwickeln sich die einzelnen Bausteine der Energiewende weiter mit zu unterschiedlichen Geschwindigkeiten, kann dies zudem zu einer erheblichen Gefährdung der Versorgungssicherheit führen. Die Bundesnetzagentur hat bereits zu Beginn die Sorge geäußert, dass die neuen Stromleitungen durch die Netzbetreiber nicht rechtzeitig zur Verfügung gestellt werden könnten. Als Ergebnis könnten dann fertig gestellte Windparks nicht in Betrieb genommen werden.

Ein schönes Beispiel dafür haben wir bereits 15 km vor der Nordseeinsel Borkum. Im Juli 2013 ist da der Windpark Riffgat fertig gestellt worden. Der könnte 120 000 Haushalte mit klimafreundlichem Strom versorgen. Leider gibt es da einen kleinen Schönheitsfehler. Es fehlen die Stromleitungen zum Festland. Dafür ist aber nicht der Investor des Windparks zuständig, sondern der Netzbetreiber, der in Verzug ist. Statt Energie zu erzeugen, wird der Windpark erst einmal Strom verbrauchen. Die Rotoren müssen bewegt werden, da sie sonst durch die Salzluft beschädigt würden.

Durch die Verzögerung verliert der Windparkinvestor Millionen. Damit diese Investoren nicht ganz die Lust verlieren,  sollen sie nach den Plänen der Politik auch dann eine Vergütung erhalten, wenn der Strom auf Grund von fehlenden Übertragungskapazitäten nicht erzeugt werden kann. Diese Kosten werden letztendlich auf die Stromkunden abgewälzt.

Dieses Beispiel zeigt deutlich, dass die Energiewende ein übergreifendes Projektmanagement braucht, das die Investitionen in Bezug auf Zeit und Größenordnung synchronisiert.

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